Die Frau geht über die quadratischen Pflastersteine. Achtet auf die breiten Fugen und die dünnen Absätze ihrer Schuhe. Der Pelzmantel ist eng um ihre Schultern geschlungen. Am Ellenbogen wippt eine große Tasche mit Aufdruck. Das kleine Tier sitzt auf ihrem Arm. Es trägt ein rotes Schleifchen auf dem Kopf. Wird von dem, durch den unregelmäßigen Untergrund und das energische Schreiten schwankenden Arm hin und her geschaukelt. Was die Frau nicht weiß ist, dass der Hund schnell Seekrank wird. Wäre er ohne Fell, würde sie vielleicht bemerken, dass seinem Gesicht alle Farbe entweicht. Doch durch das kurzgeschorene Weiß, ahnt sie nichts von der drohenden Gefahr und schreitet weiter. Das Tier öffnet den Mund und hechelt. Sie rümpft das spitze Näschen, als der faulige Geruch nach Hundefutter direkt in ihre Amygdala dringt. Das Tier ist schlauer als die Frau. Es weiß um die Gefahr. Es ringt nach frischer Luft. Es will die Übelkeit vertreiben, doch gleichzeitig weiß es auch, dass es sich auf einer nicht aufzuhaltenden Abwärtsspirale befindet. Es zappelt ein wenig, so weit es der Griff der Frau erlaubt, mit den kleinen Stummelbeinchen. Es will die Frau aufmerksam machen. Doch sie spürt nicht mehr als die harten Schläge des Steins gegen ihre teuren Schuhe. Das Tier strampelt etwas fester, doch die Frau ist geübt in Ignoranz. Sie dreht den Schraubstock enger und schreitet unbekümmert voran, mit dem wippendem Arm, dem wippenden Hund und der wippenden Tasche. Die Menschen auf der Straße bemerkt sie nicht. Sie will sie nicht bemerken. Den Bettler sieht sie schon von weitem. Soll er sich doch Arbeit besorgen. Seine Drogensucht finanziert sie nicht. Ganz sicher nicht sie. Und so richtet sie den Blick starr geradeaus, geht an dem Bettelnden vorüber. Er wundert sich nicht sehr. Er ist das gewohnt. Sie wundert sich, wieso manche Menschen einfach keinen Ehrgeiz haben und freut sich insgeheim, dass ihr Mann nicht so ein Fauler ist. „Gell, Maxilein“, sagt sie singend zu dem Fellknäuel auf dem wippenden Arm. „Papa ist kein Fauler“, da kann das Tier nicht länger an sich halten und es bricht hervor, was schon lange gesagt werden sollte. Ein Schwall bräunlich-gelber Brocken landet auf dem teuren Pelz. Mit einem Aufschrei lässt sie vor Schreck das Tier fallen. Es landet quietschend auf den quadratischen Pflastersteinen.
Geschichten von mir
Freitag, 15. Juli 2011
Unbeschwert
Schreiben ohne zu wissen.
Worte ohne zu fühlen.
Sprechen ohne zu hören.
Lachen ohne die Stimme zu senken.
Lautes Lachen gehört sich nicht!
Ich lache laut, denn Lachen besticht
Mit einer Prise Freude auf Frühlingssonne
Im Weihnachtszuckergussmantel.
Und ich gehe an deiner Seite
Ich gehe an deiner Seite und du siehst den bunten Regenbogen an den Himmel gemalt von Regen und Licht und du nimmst meine Hand und gehst mit mir über die Wolken bis ans Ende der Zeit. Und ich gehe an deiner Seite und du schreibst mit mir ein Schneeflockenlied auf das graue Papier der Dezemberluft und wir rollen im Weiß dem Frühling entgegen. Und ich gehe an deiner Seite wenn du weinst weil das Leben so schwer, unerträglich sein Gewicht auf deine zarten Schultern ablagert. Und ich gehe an deiner Seite und du lachst weil uns der Regen mit seinen großen Tropfen kleine Geschichten gegen das Fenster peitscht. Und ich gehe an deiner Seite wenn deine Augen voller Genuss im Riechen und Schmecken verbleiben und sich die neuen Falten der Ehrlichkeit verschreiben. Und ich gehe an deiner Seite wenn uns im Herbst die fallenden Blätter von nahendem Ende erzählen. Und ich gehe an deiner Seite weil sich die Wärme von dir als mein Regenmantel um meinen zerbrechlichen Körper hüllt. Und ich gehe an deiner Seite weil du auch im Ende immer mein Anfang bist. Und wir gehen Seite an Seite bis uns die letzte Einsamkeit entzweit.
Abonnieren
Posts (Atom)